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BYOD – das Ende des klassischen Service Desks?

Veröffentlicht am von IT Governance, ITIL

BYOD - Bring your own Device

BYOD – Bring your own Device

Es nützt nichts – gegen diesen Trend können sich auch hart gesottene IT-Verantwortliche nicht standhaft wehren. BYOD – „Bring your own Device“ ist das aktuell heissdiskutierteste Konzept, dass jeder mit „seinem“ eigenen „Device“ arbeiten und auf die Unternehmensnetzwerke und Daten zugreifen kann. Und es scheint, als ob sich BYOD durchsetzt, obwohl dies manchen IT-Leiter erschaudern lässt. Wie soll da die Sicherheit noch gewährleistet werden – und wie soll man einen Geräte-Zoo unterstützen, wenn man gerade erst mit aller Mühe die IT-Standardisierung im eigenen Hause vorangetrieben hat?!

Mühsame Standardisierung

Mühsame Standardisierung

Als IT-Veteran mit bald 30 Jahren Erfahrung weiss ich, wovon ich rede. Das hat schon damals in den 90er Jahren angefangen, als das Internet in den Unternehmen Einzug erhielt. Wie hat sich doch unser damaliger Sicherheits-Verantwortliche lange und durchaus erfolgreich gewehrt und vollständig getrennte Netzwerke und abgeschottete PCs gefordert! Mit dem Aufkommen der Mobilen Devices gab es ebenfalls Riesenaufstände seitens der IT-Verantwortlichen. So, dass man die fordernde Masse von Benutzern in die Schranken weisen musste, um ja nur die firmeneigenen und zugelassenen Geräte einsetzen zu müssen. Mit dem Aufkommen der Smartphones wie iPhone,  welches die Integration zum Mailsystem kinderleicht gestaltete, haben viele IT-Organisationen angefangen, zu kapitulieren. Der Benutzer wurde immer mündiger.

Wieso also sich ständig gegen die von Benutzern bevorzugte Geräte auflehnen, während man laufend mit Akzeptanzproblemen der eigenen Standard-„Devices“ zu kämpfen hat. Die ständig aufreibenden Auseinandersetzungen mit dem Business bezüglich Einhaltung der selbst erstellten Sicherheitsregeln und der aus Kostendruck entstandenen Standardisierungsrichtlinien sind ermüdend. Der Umgang mit den oft ungeliebten, von der IT durchgesetzten Gerätschaften sind unter dem Strich eben auch aufwendig in der Schulung und im Support – und ein Dauerthema bei Service Desk Mitarbeitern.

Cortado Pressphoto - Bring Your Own Device

Cortado Pressphoto – Bring Your Own Device

Kommt das wirklich gut, wenn nun jeder mit seinem persönlichen Gerät arbeitet. Die IT ist ja gar nicht in der Lage, all die verschiedenen Typen von Hardware-Modellen, Betriebssystemen und Apps-Software-Stände zu beherrschen, geschweige denn zu unterstützen. Gleichzeitig entschwindet die interne Infrastruktur irgendwo in einer externen Cloud (Lies mein letzter Blog-Beitrag: IT Services in der Cloud – aus den Augen, aus dem Sinn?). Ist Service Management für diese Art von Betrieb überhaupt noch geeignet, oder hat das Framework die Zeichen der Zeit verkannt? Braucht es eine IT überhaupt noch?

SPOC - Single Point of Contact

SPOC – Single Point of Contact

Ja, ich denke das kommt gut. Es muss einfach gut kommen. Und es wird auch in Zukunft eine Service Organisation brauchen. Nur eine andere als heute. Als IT-Veteran habe ich miterlebt, wie schwer sich die Benutzer mit der Einführung des PCs am Arbeitsplatz getan haben. Benutzerfreundlichkeit der Geräte und Anwendungen waren immer zentrale Anliegen, welchen man mehr oder weniger von den technologie-verliebten Programmierern und Systemtechnikern abverlangen konnte. Die Einführung eines Service Desks, welches als SPOC (Single-Point-of-Contact) eine Hilfestellung bei Störungen und Nutzerproblemen bot, war und ist immer noch die Errungenschaft, welche IT Organisationen dem Business näher gebracht haben. Der Service war eben primär in der Hilfestellung bei der Nutzung und im Umgang mit den IT-Systemen und –Geräten geboten. Service Management hat mit Incident und Problem Management ihre Blütezeit gehabt.

Workplace Digital Native

Workplace Digital Native

Nun kommt eine neue Generation von Benutzern in die Unternehmen. Die sogenannten „Digital-Natives“ welche mit den Computern, den Web 2.0 Technologien und sozialen Netzwerken aufgewachsen sind, haben ein vollständig unverkrampfteres Verhältnis zur IT und den Geräten. Sie wollen von überall ihre Arbeiten erledigen können – am liebsten von ihren eigenen „Devices“ aus, welche sie am besten kennen.  Auf diesen Geräten sind sie in aller Regel auch produktiver, mobiler, zufriedener und effizienter bei ihrer Arbeit. Diese neuen Benutzer können einfache Probleme in aller Regel auch selber lösen und sind nicht so schnell auf die Unterstützung eines Help-Desks angewiesen.

Service Tankstelle

Service Tankstelle

Und gerade hier muss der Paradigmen-Wechsel stattfinden. Während viele IT-Leiter das Thema Service Management und ITIL® immer noch primär in der Ecke „Incident/Problem/Service-Desk“ sehen und deren Aufgabe primär in der schnellen Fix-Rate verstehen, wird sich ein dramatischer Wandel vollziehen, was die Daseinsberechtigung von IT-Organisationen anbelangt. Nicht das Beheben von Störungen ist in Zukunft im Vordergrund – sondern das Erbringen von Services. Analog zur kleinen Garage im Dorf, wo man früher sein defektes Auto zum Reparieren gebracht hatte, stehen heute Full-Service-Stationen welche Lebensmittel verkaufen.

Apple Store

Apple Store

Ob das SPOC-Konzept in Zukunft noch funktioniert, wird aber fraglich sein. Beim klassischen SPOC geht man von der 80/20-Regel aus. Das heisst, dass 80% der Kontakte rund 20% der Probleme betrifft und daher mit den geschulten Service Desk Mitarbeitern gelöst werden können. Der Service Desk der nächsten Service Management Generation ITSM 2.0 ist zu vergleichen mit einem Apple Store (Siehe Artikel: „10 Things You Can Learn From the Apple Store„). Klar werden auch Defekts behandelt – aber primär wird auf den Kunden eingegangen und ihm ein Service – neue Produkte und Lösungen angeboten. Der Fokus liegt weniger auf Incident-Handling denn auf Service-Erbringung. Die Spannweite von Produkten und Kontakten sprengt das 80/20-Prinzip des klassischen SPOCs.  Das sieht man heute bereits in komplexen Organisationen, wo der Service Desk oft nur Durchlaufstation ist und die Triage zu den spezialisierten Support Teams wahrnimmt.

BYOD - Ein Service der IT

BYOD – Ein Service der IT

Der einzelne Service Desk als SPOC wird in Zukunft zu einer Illusion. Die Alternative wird ein MPOC – ein Multiple Point of Contact, wo es für verschiedene Themenbereiche unterschiedliche Service Desks mit genügend Knowhow und Erfahrung gibt, und wo der Benutzer unmittelbaren Support erhält. Der Fokus muss in Zukunft auf der Bereitstellung von robusteren und zuverlässigeren Anwendungen sein. Und das ist genau das, was sich im Apps-Markt abspielt. Wie erste Erfahrungen zeigen, geht der Supportaufwand interessanterweise bei BYOD-Organisationen stark zurück während die Zufriedenheit der Anwender steigt. Die Benutzer sind in aller Regel mündiger und können sich selber helfen.

Fazit: BYOD darf nicht als Schreckensgespenst der Zukunft angesehen werden. Es gilt vielmehr, sich auf diese Entwicklung einzustellen und die Hausaufgaben bezüglich Sicherheit und Anbindung an das Firmennetz zu machen. Die Zukunft liegt nun mal in der Vernetzung und weniger in der Abschottung. Je eher IT-Verantwortliche sich dieser Herausforderung stellen, desto eher bereiten sie ihre IT-Mitarbeiter auf das vor, was ohnehin auf sie zukommen wird. Die Frage ist nur, ob er selbst dabei die Zügel in der Hand behält. Service Management wird mit Bestimmtheit zur Kernaufgabe eines Service Providers. Eben im Erbringen von erstklassigen Services – und weniger bei der Behebung von Störungen.


 

9 Antworten auf BYOD – das Ende des klassischen Service Desks?

  1. BYOD und der Unsinn nimmt kein Ende

    Ich muss dieses Mal Herr Andenmatten eine Gegendarstellung schreiben, da ich weite Teile Ihrer Argumentation so nicht nachvollziehen kann und als alter IT’ler auch nicht mag.

    Nicht dass ich zu stur, zu alt oder einfach zu blöd dafür wäre. Nein, in der Rolle als IT-Manager, der jetzt diese Klientel berät, aber auch als Kunden IT-getriebener Organisationen fällt mir schwer anzunehmen, dass jetzt die Zeit reif für den Aufstand der Digital Natives gekommen ist – übrigens ein Begriff, den nach meiner Idee gelangweilten Beratern abends in der Hotelbar nach dem x-ten Whiskey eingefallen ist.

    Pro BYOD werden die Zufriedenheit und die höhere Produktivität einer Generation von Mitarbeitern zugeschrieben, für die die besagten Berater erst einmal die SPECS erstellen müssen. Im Klartext: bekomme ich ein Standard-Gerät, dann bocke ich; darf ich mein Gerät mitbringen lege ich mich ins Zeug. Wobei gerne suggeriert wird, dass bei der Auswahl von Standardgeräten die IT mächtig gepennt haben muss und daher deren Nutzung keinem Anwender im Jahr 2012 ff. zugemutet werden darf. Der Begriff Standard steht also auf dem Index. Genauso wie ein Herr Löw Begriffe wie „Emotionalität“ und „Führungsspieler“ aus dem Wortschatz der ewigen Halbfinallisten Fußballnation Deutschland verbannt hat.

    Apropos Standard: habe ich richtig mitgenommen, dass der Apple Store als Gegenpol zu Standards und Tristesse angeführt wird? Gerade das Geschäftsmodell sowie die technischen Vorgaben der Apps sowie des Bezugs von multimedialen Contents sind extrem straff standardisiert. Nichts, aber auch wirklich nichts darf außerhalb der Apple-Richtlinien rund um den iHype passieren. Technische und organisatorische Schranken lassen keinerlei Spielraum für Individualität und Freiraum. Apple kontrolliert alles, was vertrieben, entwickelt, verkauft und getauscht wird.

    Aber zurück zum BYOD – ich las kürzlich „Konzept“ in diesem Zusammenhang.

    Selbst renommierte Beratungsgesellschaften wie A.T.-Kearney (s. cio.de) berechnen Kostenvorteile für die Unternehmen. Um 22 Prozent weniger IT-Kosten am Arbeitsplatz zu erzielen, so hat haben es die Berater von A.T. Kearney ermittelt, werden die Beschaffungs- und Betreuungskosten schlicht den Mitarbeitern aufgehalst, denn abschaffen geht ja wohl nicht.

    Ich mit dieser Argumentation habe ich ein Déjà-vu, inklusive aufgestellter Nackenhaare: Vor einigen Jahren wurde ich mit Beratern konfrontiert, die von der Geschäftsführung im Rahmen eines „Cost Cutting Programs“ gerufen wurden. Deren Empfehlung zur Senkung der Endgerätekosten war schlicht: Neuausschreibung + Wechsel des Herstellers/Lieferanten. Was dann kam, war ein Vortrag meinerseits (ich war zu diesem Zeitpunkt interner IT-Manager) zum TCO-Ansatz (zu Deutsch: Vollkosten-/ Vollwirkungsansatz).

    Was hat das jetzt mit BYOD zu tun?

    Missverstanden und reduziert wird BYOD auf Gerätebelange. Mitnichten, denn hat sich schon einmal mit den organisatorischen und rechtlichen Fragen rund um die Freigabe privater Geräte gekümmert? Jeder der das konsequent tut, stellt sehr schnell fest, dass deren Klärung und eventuelle Folgemaßnahmen zu Mehrbelastungen führen, als lediglich die Motivation jüngerer Mitarbeiter zu verbessern.

    Wer hat denn wirklich auf dem Schirm was es kostet, um Lösungen für folgende Fragen nur eine kleine Auswahl) zu erarbeiten:
    • Wem gehören die Daten? Nein, nicht den Mitarbeiten, sondern den Unternehmen, die voll für deren Verarbeitung und Speicherung verantwortlich sind?
    • Dürfen private Geräte gemonitort (neudeutsch: überwacht) werden?
    • Wie eliminiere ich Schadsoftware auf privaten Geräten? Wie sichere ich Unternehmensdaten vor den Zugriff durch miscellaneous Codezeilen?
    • Wie schütze ich mich als Unternehmen vor der Benutzung von Raubkopien durch meine Mitarbeiter auf deren Geräten? Denn für die Verarbeitung der Unternehmensdaten bleibt das Unternehmen verantwortlich.
    • Wie sichere ich technisch ab, dass Unternehmensdaten separiert und vor allem sicher aufbewahrt werden? Auf dem Endgerät, zu Hause bei den Anwendern, in deren Safe, in deren abgeschlossener Wohnung…
    • Wie komme ich an Unternehmensdaten, wenn man sich mal im Unfrieden vom BYOD-Besitzer getrennt hat?
    • Wie sichere ich ab, dass defekte Geräte während der Reparatur nicht zusammen mit Unternehmensdaten verschickt werden?
    • Wie kümmere ich mich um Service & Support, wenn weder die Geräte noch die (sonstige) Hard- und Software Unternehmenseigentum und einheitlich sind? … und der BYOD-Besitzer im Störungsfall doch arbeiten will (muss)?
    • Wie reduziere ich die „he joy“ Störungsbereinigungszeiten?
    • Wie erfasse ich Arbeitszeiten, Überstunden? (Es gibt jede Menge Tarifgesetze, Arbeitsvereinbarungen, Betriebsräte, etc.)
    • Verfüge ich über ausreichend Ersatzgeräte, wenn das Discounter-Gerät zum x-ten Mal während der Garantiezeit defekt ist und der Anwender nicht arbeiten kann?
    • Wie gehe ich mit Klagen bzgl. berufsbedingter Krankheiten um, weil vielleicht das Billiggerät aus dem letzten Nordkorea-Urlaub ergonomisch eine Katastrophe ist?

    Richtig ist, dass aus Sicht des Service Managements und der Service Quality die Endgeräte lediglich festgelegten Spezifikationen erfüllen müssen, aus rein technisch/technologischer Betrachtungsweise. Daher ist der Paradigmenwechsel logisch und wird die Position des Service Managements nachhaltig verändern.

    Ja: solange ITSM auf die billigen Supportprozesse und noch billigere Agenten reduziert und vom ehemaligen „Benutzerservice“, „UHD“ oder dem „Help Desk“ –also der Schmuddel-Ecke der IT initiiert, bleiben Klagen über NERDS im Service Desk nicht aus. Denn in IT-Organisationen ist heute noch das Service Management „nutzloses Zeug“.

    Aber darauf einzugehen führt zur Auferstehung eines weiteren Hypes.

    Ihr Peter Bergmann

    • A. Bernhard sagt:

      Die Zeiten wo die IT den Endbenutzern einen Riegel vorschieben ist am Aussterben. Daten können auch in Hochsicherheitsumfeldern wie Banken und Militär nicht vollständig geschützt werden – auch das ist Fakt.
      Man versucht zwar alles mit ISO-Prozessen, ITIL, den teuersten Sicherheitslösungen schützen zu wollen. Aber hat im Endeffekt auch jemand schon einmal an die Putzfrau gedacht, die Abends durch die leeren Büros spaziert und viel schlimmere Dinge klauen kann, als die „Daten“ auf einem BYOD?

      Fakt ist auch, dass man sich mit der heutigen Technologie auch beschäftigen muss und man im BYOD Umfeld einen geschützten APP-Store und Speicher definieren kann, der dem Unternehmen gehört und der auch verschlüsselt und per Knopfdruck gelöscht werden kann.

      Aber das nur so am Rande.

      Leider sind viele IT-ler heute gar nicht mehr in der Lage, sich in einem komplexen Umfeld bewegen zu können. Das macht die IT teuer, weil für jede Applikation und jede technische Hardware wieder ein Mensch angeschafft wird. Es liegen keine Konzepte vor, wie man sich in diesem Umfeld bewegen soll.
      Die Prozessdefinitionen wie ISO, ITIL und COBIT machen das teilweiswe auch noch übertrieben schwieriger. Als hier einmal den gesunden Menschenverstand walten zu lassen.

      BYOD ist ein Fakt und die IT muss sich zuerst auf strategischer Ebene (die GL) auf diesen Trend vorbereiten und das Unternehmen hat dazu ihre Strategie und die Architektur entsprechend vorzubereiten und anzupassen. Diese Vorgaben legen den Grundstein für BYOD (was wird unterstützt, was nicht, was ist erlaubt, was nicht).
      Erst am Schluss soll das technisch umgesetzt werden. Und das ist kein Problem.

  2. Vielen Dank Herr Bergmann für Ihren Protest, den ich gerne mal so annehme.
    Ich habe jetzt zwei Möglichkeiten: entweder habe ich mich nicht wirklich klar genug ausgedrückt und die Botschaft ist nicht so herübergekommen, wie ich beabsichtigt habe. Oder Sie sind tatsächlich an der guten alten IT behaftet, welche nicht an die Durchsetzung dieses „Hypes“ glaubt.
    Ich sage nicht, dass es keine Probleme gibt. Genügend Herausforderungen bleiben vorhanden. Aber ich bin überzeugt, dass die Endgeräte kommerzialisiert werden – sowie das Handy heute auch mehrheitlich zum privaten Werkzeug des Mitarbeiters gehört. Wie der Koch in der Küche seine eigenen Messer, der Coiffeur seine eigene Schere mitbringt, so werden Bürolisten mit eigenen Endgeräten in Zukunft arbeiten. Das setzt erst recht Standards voraus – aber mehr in der Interoperabilität und weniger in der Vorschrift, womit zu arbeiten ist.
    Wenn ich den Apple-Store referenziere, dann meine ich natürlich nicht die Technologie-Politik des Unternehmens. Ich selbst leide genauso unter dieser rigiden Vorgabe. Aber wer schon einmal in einem Apple-Store gewesen ist, versteht vielleicht, was ich meine: Der Kunde kommt nicht primär mit Problemen an den „Service Desk“, sondern er ist selbständiger – hat aber Service-Erweiterungsbedarf. Die Service Desk Mitarbeiter sind primär mit Bereitstellen von weiteren Services beschäftigt – und nicht in erster Linie am entgegennehmen von Problemen. Dabei müssen Services aber stabiler und verlässlich sein.

    Dass wir noch teilweise weit davon entfernt sind, ist mir selber auch klar. Aber ich bin überzeugt, dass sich der Anwender auf Dauer durchsetzen wird.

  3. Gerne Herr Andenmatten. BYOD – ich beschäftige mich berufsbedingt damit und berate IT-Manager zu Risiken und Kosten, natürlich auch über Konsequenzen, wenn jemand diesem Hype folgend quasi „Schengen für alle in der IT“ ermöglicht.

    In dem Zusammenhang mit BYOD (das „D“ steht vielerorts schon für Desaster) fällt mir die zunehmende Verschlammung unserer Branche auf. Alle paar Jahre wird eine neue Sau durchs IT-Dorf getrieben, die Lemminge rennen hinterher und schreien Holdrio auf den Schöpfer dieser Idee. Ich treffe zunehmend auf „ungelernte Fachkräfte“ (eigentlich ein Oxymoron in dieser komplizierten Materie), die als Anwender oder Anbieter nur noch nachplappern, was gerade IN ist.

    Auf in meinem Vorbeitrag aufgeworfenen Fragen – das war real nur ein Auszug aus meinen Katalog – bekomme ich meist nur Kopfschütteln und ungläubiges Staunen. „Es geht doch um Endgeräte, was interessieren mich dann Verträge, Gesetze, ergonomische Anforderungen oder gar Datenklau. …“

    Um es deutlich auf dem Punkt zu bringen: jedes Angebot zur Flexibilität, Mobilität und Motivationssteigerung ist willkommen. Es muss jedoch unternehmerischen Aspekten für Kostenreduktion (Vollkostenansatz), Risikominimierung und Produktivitätssteigerung genügen. Ansonsten ist es untauglich.

    Das eigene Besteck für den Koch oder den Capello mag ja noch angehen, da der jeweilige Arbeitgeber keine zusätzlichen unternehmerischen Risiken eingeht. Mit Unternehmensdaten sieht das gewaltig anders aus. Heute wissen wir, dass die Weltwirtschaft weniger durch kriegerische Auseinandersetzungen, als durch Informationsklau geschädigt werden kann. Würde in meiner kleinen Firma unser Datenbestand abhanden oder in falsche Hände kommen, dann müssten wir unseren Kunden sehr viel erklären, komplett neu anfangen oder ganz aufgeben.

    Inzwischen habe ich selbstverständlich auch gelernt, dass Trends, Hypes oder Wellen initiiert, geritten und gelebt werden, ob ich es persönlich mag oder nicht. Wenn wir heute darüber sprechen, dass von der IT vorgegebene Standardgeräte „eklig“ sind und nur die eigenen Geräte motivationssteigernd sind, dann fallen mir weniger kritische Maßnahmen zur Steigerung der Motivation (besser: Bereitschaft zum Arbeiten) ein: zum Beispiel könnte man in der Betriebskantine das Bedienungsprinzip aus den Restaurants einführen und ausgewählte Damen in leichter Bekleidung anstellen. Dann wären zumindest die Unternehmensdaten wieder sicher und die Mitarbeiter motiviert.

    Zurück zur Sachlichkeit
    Ich selbst nutze auch private Geräte, um von zu Hause oder eben von unterwegs aus, arbeiten zu können. Gut, als Unternehmer bin ich mein eigener Sklave und muss meinen Zeiteinsatz eigentlich nur gegenüber meiner Frau rechtfertigen. Im Angestelltenverhältnis würde ich das deutlich kritischer sehen. Im Übrigen ist die neue Volkskrankheit „Burn out“ auch ein stückweit einer Erwartungshaltung geschuldet, dass der Gegenüber eine Nachricht unmittelbar zu lesen und zu bearbeiten hat.

    BYOD funktioniert nur, wenn ich als IT-Verantwortlicher für alle aufkommenden Fragen akzeptable Lösungen geschaffen habe. Im angelsächsischen Raum sind hier die Entwicklungen deutlich weiter. Gebrauchsfähige, sichere Remote-Einwahl, Terminalserver-Sessions und andere technische Antworten sind dort weiter verbreitet als bei uns. Aber dort gibt es ja auch deutlich mehr Thin-Clients, als in unseren Gefilden, also einen ganz anderen Umgang mit Gerätschaften.

    Als IT-Verantwortlicher bin ich also in der Pflicht, Lösungen bereitzustellen und erst dann den Zugang mit privaten Geräten zu Unternehmensnetzwerken/-daten zuzulassen. Jede andere Reihenfolge wäre falsch. Ich empfehle dann immer dem IT-Leiter, sich bereits jetzt mit einem Headhunter seines Vertrauens kurzzuschließen, man weiß ja nie.

    In diesem Sinne,
    Ihr Peter Bergmann

    • A. Bernhard sagt:

      Offensichtlich können Sie dem Business den Nutzen einer BYOD Strategie nicht verkaufen. Vollkostenansatz ist zwar richtig, wenn das Business aber auch einen entsprechenden Nutzen ausweisen kann, dann spielt es keine Rolle, wie „hoch“ die IT-Kosten dagegen sind.

      Aufgrund Ihrer unqualifizierten Aussagen würde Ich Sie als Berater nie anstellen.

  4. Nachtrag zur Diskussion:
    IDC proklamiert … das Ende von Bring-your-own-Disaster!

    Passend zur Diskussion (nicht nur hier) veröffentlicht IDC eine Umfrage mit dem Ergebnis, dass „…dieser Hype a ebbt.“

    Spannend ist, dass in diesem Zusammenhang das negativ besetzte Wort „HYPE“ benutzt wird und die Dienstleisterseite nicht nur neue davon initiiert, sondern (erstmalig glaube ich) Hypes zur Grabe trägt.

    Was bleibt ist der Wunsch nach Mobilität und den gängigsten Endgeräten. Aber das war schon einige Zeit so und wird sich auch durch die neuesten Äpfel nicht ändern.

    Schaffen wir in der IT endlich Lösungen, um der geforderten Mobilität im Business gerecht zu werden und geben wir künftig weniger Geld für Statussymbole einiger Weniger aus. Das ist der Auftrag an die IT-Organisation (sofern noch vorhanden) und sonst nichts.

    Spaßig wird die Nummer -an der wir uns in kurzer Zeit nicht mehr erinnern werden wollen- mit der Aussage im CW-Beitrag: SyoM – Spend your own Money! So macht IT doch wieder Spaß!

    Hier der Link zum Beitrag: http://www.computerwoche.de/management/it-strategie/2522856/

    Viele Grüße
    Peter Bergmann

  5. Vielen Dank Herr Bergmann, die Diskussion bleibt also spannend. Spannend auch zu sehen, wie lange die IT Organisationen die Firewalls um sich herum noch aufrecht erhalten können. Die Gefahr lauert, vom Business überrannt zu werden (…).

    • A. Bernhard sagt:

      Dem kann man beipflichten. Die Zeiten der IT Abwehrstrategie sind längst vorbei. Offensichtlich scheinen das nicht alle Berater aus dem hohen Norden begriffen zu haben.

  6. Sehr geehrte Herren,

    danke für Ihre Beiträge, die immer wieder interessant sind. Insbesondere einige Steilpässe vom Herrn Steigele kann ich ganz gut verwerten:

    Wenn er von einer GL berichtet, die die eigene IT aushebelt, dann hinterfrage ich mehrere Dinge:
    • Für was stellen ebendiese Leute IT-Budget und (offensichtlich) unfähiges IT-Management ein?
    • Wie wichtig versteht diese GL in diesem Unternehmen die Informationssicherheit?
    • Warum bauen die BYOD-Besitzer nicht ihr Unternehmen um und lagern die IT dorthin aus, von wo aus nur noch benötigte Services zurückgekauft werden?
    • (…)

    Diese Debatte um einen Hype irregelaufener Berater, Analysten (wer auch immer das anheizt) zeigt doch auf, dass Geschäftsanforderungen vor allem in Richtung Mobilität gehen und darauf viele IT-Organisationen keine Antwort haben. Denn eines muss klar sein: wenn Unternehmensdaten frei verfügbar sind, wird die GL den IT-Leiter ganz genüsslich vor die Tür setzen.

    Noch weiter: wenn Langsamkeit und Starrheit so wie das alltägliche Alpenpanorama uns in der IT begleiten, dann wird dort nicht nur ein lausiges Geschäft betrieben, sondern noch viel schlimmer: die GL lässt das zu!

    Und überhaupt: wer braucht denn noch eine eigene Full-Service-IT? Nahezu alle nicht wettbewerbsdifferenzierenden (Service)-Prozesse stehen heute auf dem Auslagerungs-Prüfstand. Dazu sollte auch die Technik-IT gehören, denn Standardisierung und Automatisierung machen weite Teile der „klassischen“ IT (RZ, Netz, Storage, Client) zum „klassischen“ Aussortierungsfall. Nur prozessnahes Unternehmenswissen, insbesondere aus den Kernbereichen der Unternehmen, sollte für die Betreuung der Anwendungen und Business Services „im Haus“ verbleiben. Das ist im Idealfall Unique und entscheidend für den Wettbewerb der Unternehmen.

    Bleibt noch die Motivationskralle: ich möchte den Bewerber sehen, der ernsthaft an ein Unternehmen und die Anstellung interessiert, der absagt, weil er nicht darf was er gerne möchte. Es ist noch immer so: ein Job im Unternehmen ist kein Wunschkonzert. Für die meisten jedenfalls.

    Kümmern wir uns doch um lieber um das Geschäft: sichere Mobilität, mehr Flexibilität und das Ganze noch rentabel und marktgerecht. Senken wir IT-Kosten durch (Prozess)-Automation und Standards. Schaffen wir endlich die immer noch anzutreffende hands-on Mentalität ab und bieten dort Kreativität und Freiräume, die Optimierung und verbesserte Marktchancen dem Unternehmen bieten, indem die IT Unterstützung liefert – und nicht mehr.

    Viele Grüße
    Peter Bergmann

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