Der neue Don Quijote heisst IT-Business Alignment Manager

Don Quijote (C) Pablo Picasso 1955

Vergeben Sie mir bitte bereits an dieser Stelle den etwas provokativen Brückenschlag zu dem “Ritter von trauriger Gestalt” aus Cervantes berühmten Roman. Bei genauem Hinsehen drängt sich mir allerdings schmunzelnd durchaus so manche Ähnlichkeit auf – nicht nur im Kampf gegen Windmühlen und bei der Jagd nach dem schönsten aller Ziele, das doch offensichtlich für alle Zeit unerreichbare Fiktion bleibt.

Sie erinnern sich vielleicht an meinen Blog vom 8. Januar, wo ich bereits das Bewusstsein grosser Firmen um das IT-Business Alignment in den Mittelpunkt gestellt hatte. Vielerorts laufen entsprechende Aktivitäten an, und auch diverse Jobportale bieten mittlerweile adäquate, aber sehr heterogene Job-Offerten an. Viele Firmen in der Realisierungsphase scheitern hier offenbar bereits an der Frage, in welcher Form dieser IT-Business Alignment Manager implementiert werden soll. Meist wird diese Funktion dann einfach on top an einen Relationship Manager oder gar Requirements Engineer delegiert – es wird dann schon passen. Oder der CIO – sich voll im Klaren über die Notwendigkeit dieser neuen und zentralen Position für die Neuausrichtung seiner Services – zieht sich darselbst diesen Schuh persönlich an….obwohl er bisher seinen Fokus ausschliesslich auf seinen IT-Betrieb gerichtet hatte. Genau an solchen Szenarien scheitern an dieser Stelle oft die gesamten Umsetzungsversuche – denn diese Rollen sind längst konditioniert, von ihrem daily business genügend absorbiert und das zweite, für die neue Aufgabe benötigte Brillenglas dadurch oft getrübt. Der formell gute Ansatz startet fulminant mit einem Entscheid in der Geschäftsleitung nebst strategischer Neuausrichtung und verpufft dann zumeist in den Tiefen seiner effektiven Umsetzungsbemühungen.

Es wäre auch wirklich ZU einfach gewesen. Und Schuld ist wieder mal  – die IT oder eben das Business, denn sie WOLLEN die andere Seite ja gar nicht verstehen :-)

Kartenset "ABC der ICT", (c) GamingWorks

In gängigen best practice Frameworks finden sich durchaus immer wieder Verweise auf die Notwendigkeit eines gegenseitigen Verständnisses, ITIL(R) fordert dies sogar. Die Ansätze zur Umsetzung finden sich über den gesamten Service Lifecycle verteilt und recht detailliert beschrieben - aber eben auf unterschiedliche Rollen in unterschiedlichen  Phasen verteilt. Was fehlt ist meiner Meinung nach ein eindeutiges Anforderungsprofil, das aus sämtlichen Prozess-Schnittstellen zum Business und den dazu eingesetzten Prozessbeteiligten eine allgemein gültige Job Description für die Rolle des IT-Business Alignment Managers vorgibt. Zumindest die benötigten Skillsets und notwendigen Kenntnisse im jeweils anderen "Revier" sollten dadurch recht deutlich hervortreten. Die abstrakte Stellenbeschreibung mit der geeigneten Person zu besetzen dürfte dann allerdings aufgrund des Umfanges und der benötigten Skills den Sponsoren für die Umsetzung einige Schweissperlen auf die Stirn treiben. Wenn hier nicht der Spagat gelingt - sowohl vom Skillset als auch von den sozialen Kompetenzen, dem Enabling und einem Mindestmass an Business Attention, muss der neue Ritter schnell lange Unterwäsche unter der Rüstung anlegen...denn Windmühlen und unerreichbare Ziele werden dann höchstwahrscheinlich schnell zu seinem Alltag gehören.

ITIL(R) und andere Frameworks betrachten die Perspektive der IT in Richtung Business....aber wie sieht das umgekehrt aus - wieviel soll und muss das Business von der IT und deren Service-Erbringung verstehen, damit der Schulterschluss gelingt?

Mich würden hier Ihre Praxis-Ansätze interessieren und erste Erfahrungen, wie die Implementierung eines IT-Business Alignment Managements erfolgreich umgesetzt werden kann. Vielleicht entsteht hieraus ja ein kleines "best practice" :-)

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in BPMN, ITIL von Horst Rossdeutsch. Permanenter Link des Eintrags.

Über Horst Rossdeutsch

Horst Rossdeutsch ist seit 30 Jahren beruflich in verschiedenen IT- und Business-Disziplinen unterwegs – davon 12 Jahre mit direktem Bezug auf ITIL®. Nach Schulabschluss und Banklehre machte er schnell sein Hobby zum Beruf und wechselte in die Bank-IT, wo er als Programmierer und Host-Operator erste Erfahrungen sammelte. Schnell kamen mit der technischen Entwicklung Anfang der 90er Jahre Client-Server und Unix-Einführungsprojekte sowie Dozententätigkeiten hinzu. Zunächst als Transition Manager, später als Direktor sammelte er bei IBM Global Services bis 2001 wichtige Erfahrungen in etablierten Service Management Frameworks und internationalen Grossprojekten. Dem folgten fünf Jahre als IT Service Manager bei einem der grössten Automobil-Zulieferer der Welt. Seit 2006 lebt er in der Schweiz, wo er bei Swisscom Fixnet AG als Senior Service Manager ITIL-Prozesse einführte. Von 2008 bis 2012 war er Head of Business Engineering und IT Service Management in einem Züricher Bankhaus, wo er u.a. ein Einführungsprojekt mit Pilot-Charakter für workflow-unterstützte Businessprozesse und paperless Office leitete. Horst Rossdeutsch ist zertifizierter BPMN 2.0 Professional, Microsoft Certified Professional, zertifizierter ITIL V3 Expert und TÜV-zertifizierter QM-Beauftragter nach ISO9001. Seit Juli 2012 verstärkt Horst Rossdeutsch das Team der Glenfis AG und ist für den Ausbau und die Neuausrichtung der Glenfis Academy verantwortlich.

3 Gedanken zu “Der neue Don Quijote heisst IT-Business Alignment Manager

  1. Aus meiner Praxiserfahrung ist das IT Business Alignment ein Bestandteil der Strategiearbeit des Unternehmens. Daher ist es auch von der ITIListischen Seite her gesehen dem IT Steering Committee (und dort dem Service Strategy Manager und dem jeweiligen strategieverantwortlichen Führungsmitglied des Business) zuzuordnen.

    Und reden müssen die miteinander schon (sonst artet der IT Business Alignment Manager wirklich in einen Mediator zwischen Windmühlen aus).

    LG

    Walter Abel

    • Vielen Dank Herr Abel für Ihre Einschätzung. Generell folge ich natürlich Ihrem Ansatz…aber reicht in der Praxis (executiv) der strategische View tatsächlich aus?
      Herzliche Grüsse aus Zürich…Horst Rossdeutsch

      • Reicht natürlich noch nicht, aber wenn es nicht von oben (strategisch) aufgesetzt ist, wird es unten (exekutiv) nicht laufen, weil von Goodwill abhängig.

        Und um es wieder ITIListisch auszudrücken: dafür gibt es den “Business Relationship Manager” auf der ITSM – Seite, und (hoffentlich) die IT – Koordinatoren in den Fachbereichen ….

        LG

        Walter Abel

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>