Daten-Silos zwischen den IT-Teams

Wort zum Montag: IT4IT – Das Dateninformationsmodell für ganzheitliche IT-Führung

Die meisten IT-Organisationen mögen wohl gute und ausgeklügelte IT-Systeme entwickeln, aber ihre CIOs sind in aller Regel miserable Geschäftsführer, was die Steuerung ihrer IT anbelangt. Würde das Business in der Art und Weise ihr Geschäft führen, wie dies die CIOs mit ihrem Management-Team in der IT tun, dann gute Nacht. Selbst IT-Organisationen mit 100erten von Millionen IT-Budget arbeiten immer noch mit Excel-Tabellen zur Überwachung ihrer Kosten. Sie haben keinen Schimmer, was welcher IT-Services genau kostet und was deren Treiber sind. Man hat keine Ahnung, auf welchen Servern die teuer beschafften oder entwickelten Applikationen installiert sind und ob genügend Lizenzen vorhanden sind. Welchen Nutzen ein IT-Service dem Business bringt kennt man genauso wenig wie man die notwendige Kapazitäten einigermassen planen kann. Entscheidungen finden nicht auf Basis von Fakten statt, denn diese gibt es nicht. Undenkbar, wenn man so auf dem freien Markt agieren würde.

Daten-Silos zwischen den IT-Teams

Daten-Silos zwischen den IT-Teams, (C) The Open Group

Und jetzt wird es zappenduster: die digitale Transformation des Business steht an, Infrastrukturen gilt es in die Cloud zu verschieben und zudem soll alles auf agil umgestellt werden, damit die IT schneller, besser, billiger und sicherer wird. Wie soll das gehen? Am liebsten einfach outsourcen, und dann das Problem dem «Profi» überlassen. Ratschläge gibt es von allen Seiten. Prozessmodelle haben ausgedient und neue Methoden müssen her. Wie Elefanten im Porzellanladen führen sie sich auf und trampeln alles nieder, was die letzten Jahre mühsam aufgebaut wurde. Aber man kann es drehen und wenden wie man will: IT Services müssen auch in Zukunft auf eine gewisse Art geplant, entwickelt, bereitgestellt, betrieben und unterstützt werden. Einfach anders. Aber wie anders? Dass soll sich das selbstorganisierte Team ausdenken – dann kommt es schon gut.

Und nun kommt wieder ein neues Modell auf den Markt: IT4ITTM von The Open Group. Seit letzten Oktober ist die Referenzarchitektur für eine «IT für die IT» in der zweiten Version verfügbar. Viele IT-Spezialisten und Beratern sind bereits müde von den vielen Methoden und Modellen, dass sie sich gar nicht erst damit auseinandersetzen wollen. Und zudem hat es noch eine feste Struktur – das tönt verdächtig nach «Wasserfall» – das kann nicht mehr zeitgemäss sein.

Aber IT4IT sollte man ernst nehmen. Denn es ist nicht eine Methode und schon gar nicht ein neues Prozess-Modell. Es ist ein sehr konkretes Dateninformations- und Funktionsmodell für eine wertschöpfende IT. Denn wo all die bestehenden Modelle und Frameworks mit mehr oder weniger ganzheitlich abdeckenden Prozessmodellen der IT-Organisation sagen, «was» zu tun ist, fehlt es am konkreten «wie». Das «wie» wird bis heute den Silos überlassen unter dem Motto «Adapt and adopt». Jeder Toolhersteller entwickelt eine proprietäre Datensicht auf seine Funktionalität. Und genau hier liegt in aller Regel auch das Grundübel, wieso die CIOs miserable Geschäftsführer sind. Nicht selten über werden 100 Tools genutzt, um einen Aspekt des IT-Services von der Strategie, der Planung, der Entwicklung, der Bereitstellung und des Betriebs zu unterstützen. Die darunterliegenden Daten und Informationen sind nicht konsistent, werden nicht konsequent zwischen den Silo’s weitergegeben und sind letztlich nicht für eine Gesamtbetrachtung der Leistungsfähigkeit der IT-Organisation brauchbar.

IT4IT setzt genau hier an. Egal ob ein Service mit Wasserfall oder mit DevOps entwickelt wird, ob er in der Cloud, einem oder mehreren Service Provider oder doch zum Teil Inhouse betrieben wird, man benötigt die LifeCycle Daten der Services, um auf Basis dieser Daten entscheiden zu können. IT4IT definiert nun ein Datenmodell mit Attributen und Beziehungen und bietet damit die Grundlage für alle Tool-Anbieter, daten-kompatible Lösungen zu entwickeln. Datenstrukturen wie das Business beispielswese im Bereich Edifact schon lange kennt – oder Banken für den Austausch von Finanzgeschäften auf Basis von SWIFT-Meldungststrukturen.  IT4IT basiert dabei auf einem Wertkettenmodell mit vier Wertströmen: «Strategy to Portfolio», «Requirements to Deploy», «Request to Fulfill» und «Detect to Correct».

IT4IT Das Dateninformaitonsmodell für das Managen der IT

IT4IT Das Dateninformaitonsmodell für das Managen der IT, (C) The Open Group

IT4IT ist also Prozess- und Methoden-unabhängig. Es ist das fehlende Bindeglied zu den notwendigen Tools, welche zur Unterstützung der Funktionen und Prozesse benötigt werden. Namhafte Toolhersteller wie HP oder auch BMC setzen bereits voll auf diesen neuen Standard und ermöglichen somit einen kompatiblen Datenaustausch. Es wird nie das Tool geben, welches sämtliche Funktionen für das IT-Business abdeckt. Umso mehr ist es notwendig, dass alle auf einer definierten Datenstruktur basieren. Und wenn in Zukunft alles schneller, besser, billiger und sicherer funktionieren soll, dann geht dies nur über Automatisierung auf Basis standardisierter Datenschnittstellen oder APIs. IT4IT bildet dazu die notwendige Grundlage.


 

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2 Comments
  • Robert Sieber

    25. July 2016 at 06:57

    Wirft doch gleich die Frage nach den sinnvollen KPI für den (internen) Provider auf. Oder?

    Es ist aus meiner Sicht nicht damit getan, dass ich die Daten austausche – was für sich schon einen enormen Vorteil bedeutet. Um das von Martin eingangs skizzierte Problem zu lösen, braucht es eine Konsolidierung der Daten und sinnvolle KPIs.

    Die Erstlösungsrate wird es nicht sein.

    Robert

  • Martin Andenmatten

    25. July 2016 at 07:14

    Ja Robert, aber Daten sind die Grundlage für Fakten. Wenn ich mir vorstelle, dass das Betriebsmodell einer IT von der Planung, Entwicklung bis zum Betrieb und Support in einem normalisierten Datenmodell abgebildet ist, dann kann man grundsätzlich auch eine Integrität zwischen den Silos sicherstellen. Und wenn die zu erzielenden Werte der IT-Services auf Business-Values ausgerichtet sind, dann sind diese auch Bestandteil des Service Backbones. Die KPIs sind dann letztlich die Erreichung dieser Service-Ziele. Ich als CIO denke dann nicht in Erstlösungsraten, sondern eher in Verfügbarkeit von Services.

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