2019 – Mit Vollgas in die Zukunft. Nur nicht das Kind mit dem Bade ausschütten!

Herzlich willkommen im Neuen Jahr 2019. Auch dieses Jahr steht im Zeichen der digitalen Veränderung. Wir haben es die letzten Jahre kommen sehen: die digitale Revolution klopft nicht an – sie tritt ungefragt ins wohlige Wohnzimmer ein und bläst mal kräftig durch. Und es ist bei weitem noch nicht abgeschlossen.

Das bereits vergangene Jahr 2018 war diesbezüglich sehr herausfordernd und die Diskussionen rund um die Richtung der Zukunft teilweise sehr kontrovers. Digitalisierung und Agilität wurden zum neuen Mantra. Man musste regelrecht aufpassen, dass man sich durch falsche Wortwahl nicht als unverbesserlicher Wasserfall-Anhänger und nicht im neuen Hier und Jetzt angekommen abgestempelt wiederfand. Das Festhalten an Frameworks und Standards wie ITIL, COBIT, ISO20000 oder klassischem Projekt Management war besonders verräterisch. Die Welt wurde aufgeteilt in Agil und Nicht-Agil, in Zukunft und Stillstand, in Gut und Schlecht. Die erfolgreiche Transformation – und das war das bedenkliche – wurde nicht allen zugesprochen. Die Bi-Modalität hat sich in den Köpfen festgesetzt.

Die Zukunft war auch früher immer besser. Und irgendwie hat sich die Erde immer weitergedreht. Das wird auch im neuen 2019 nicht anders aussehen. Aber ich habe die grosse Hoffnung, dass sich die Teams innerhalb der IT-Organisationen etwas weniger um sich selbst kümmern und dafür mehr auf das gemeinsame Ziel, die Unternehmens-Ziele und angestrebten Werte zu erreichen. Agilität wird zur neuen Selbstverständlichkeit – egal ob jeder nun alle Methoden wie Scrum, DevOps, Kanban, Schift-Left oder wie sie alle heissen schon beherrschen. Agilität ist eine Geisteshaltung und eine Frage der Einstellung, wie in einem Unternehmen gearbeitet werden soll. Gemeinsam wollen wir die Zukunft gestalten – und dabei das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, wenn wir glauben, mit einer neuen Methode können wir die Erfahrungen aus der Vergangenheit einfach ignorieren.

Und das Jahr 2019 steht zudem unter einem guten Stern. Alle relevanten Frameworks und Standards haben sich gerade noch rechtzeitig diesen Veränderungen entsprechend angepasst. Mit ITIL 4, COBIT 2019 und ISO2000-1:2018 sind die bekannten und vielerorts stark genutzten Rahmenwerke auf die neuen Realitäten ausgerichtet worden.  Man braucht nur noch die Offenheit und auch Zuversicht, dass sich die vielen Ideen der zigtausenden Beiträge von der Service Management Community in die Weiterentwicklungen haben einfliessen lassen. Aber keine Sorge – da sind Menschen am Werk und es werden sich auch bestimmt noch genügend Haare in der Suppe finden.

Welches Framework darf es sein?

Ich sehe das neue Jahr 2019 mehr unter dem Fokus auf das Business Relationship Managements. Anstelle sich primär nur um die richtigen Methoden und Frameworks in den IT-Teams zu kümmern, sollten wir im 2019 endlich anfangen, den Blick auf unsere Beziehung zum Business und damit auf deren Bedürfnisse und Wertevorstellungen zu werfen. Sind wir in der IT noch primär als «Order-Taker» angesehen oder bereits als «Service Provider». Und was braucht es, um als «Trusted-Adviser» oder gar als «Strategic Partner» anerkannt zu werden?

© BRM Institute - BRM-Maturity
© BRM Institute – BRM-Maturity

Hier glaube ich, sollte der Fokus im Jahr 2019 liegen. Dem Business sind Methoden und Frameworks eher egal. Sie wollen Ergebnisse und Ziele erreichen, um den Unternehmenswert zu steigern. Sie wollen Partner, die ihnen helfen, diese Ziele zu erreichen und die als aktive Partner wertvolle Beiträge leisten können.

Ich möchte aus diesem Grunde auf eine neue Initiative hinweisen, welche seitens Experten der Glenfis AG gestartet haben: Am 8. Januar 2019 findet die Gründung zur BRM Community of Interest COI-DACH statt. Dieses CoI ist Teil des BRM Institutes, welches in den USA bereits im Jahr 2013 gestartet wurde und nun einen grossen Zuspruch rund um den Globus gewonnen hat und überall Interessengemeinschaften gegründet wurden. Im deutschen Sprachraum fehlt dies bis heute. Das soll sich nun ändern.

Business Relationship Management ist nicht bloss ein Prozess von vielen. BRM ist eine Fähigkeit der gesamten Organisation, welche in der Lage ist, das Potential der Kunden-Ziele nicht bloss zu erreichen, sondern auch mittels Demand Shaping (Bedarfsgestaltung), Exploring (Erkundung der Bedürfnisse), Service Erbringung und Sicherstellung der Wertschöpfung die IT-Organisation zum anerkannten strategischen Partner zu entwickeln. Hier liegt das Potential, zur gemeinsamen digitalen Transformation – nicht im Streit um Frameworks und Methoden. Das BRM Institute ist eine globale Organisation und auch eine grosse Gemeinschaft an Experten, welche alle ihre Erfahrungen rund um den Aufbau der strategischen Fähigkeiten des Business Relationships gemacht haben. Es braucht eine kostenpflichtige Mitgliedschaft zum BRM Institute. Wer diese hat, ist herzlichst eingeladen, sich auch in deutscher Sprache dort einzubringen link.

Logo BRM CoI DACH
Logo BRM CoI DACH

Wir wollen Euch aber auch eine Alternative anbieten. Wir haben eine Gruppe CoI BRM DACH innerhalb Linkedin eröffnet, zu welcher ich Euch alle sehr gerne einlade: linkedin-Gruppe.

Mögen wir uns im neuen Jahr um die echten Herausforderungen im neuen Jahr 2019 kümmern – die richtige Methode und das richtige Framework wird sich dann schon finden. Wenn die Mission und das Ziel allen bekannt sind, dann braucht es nur Zuversicht und Vertrauen ins Team. Das wünsche ich Euch allen und ich freue mich, das mit Euch gemeinsam zu tun.

2 Comments
  • Peter Bergmann

    7. Januar 2019 at 12:33

    Lieber Martin,

    auch im neuen Jahr (dir die besten Wünsche) scheint sich Geschichte zu wiederholen. Wir haben in der IT-Branche kein Erkenntnisproblem – wir stehen vor einer massiven Umsetzungshürde.

    Jetzt stellt sich die Frage, wie diese zu überwinden ist. Es mag sein, dass sich die Autoren der altbekannten Frameworks a la ITIL, CoBIT usw. mit aktuellen Einflüssen auseinandergesetzt und diese in deren neuen Versionen einfließen lassen. Neue Fragen: Wer braucht es? Wer wartet darauf?

    Wenn du von der Digitalen Transformation schreibst, dann kreist auch du leider immer wieder um ein Thema, welches uns seit der Hochzeit der ITIL-Projekte beschäftigt: Warum greifen die vielen Frameworks und Vorgangsmethoden nur bedingt? Weitere Frage: Was läuft da schief?

    Du erinnerst dich: vor einigen Jahren, es können schon zehn davon vergangen sein, gab es ein Zwischen-Hype: Business Alignment. Plötzlich sollte/musste/durfte sich die IT an den Business Requirements anrichten, den Kunden kennen und dessen Bedürfnisse verstehen.

    Ja was denn sonst soll die IT in den Unternehmen machen? Ein Geschäftsmodell, ein Auftrag/Mandat gibt es ja nicht, für diese Organisationseinheit. Da musste von außen schon mal reingerufen werden: Denkt mal an das Business; könnte dem Unternehmen nicht schaden.

    Mit BRM steht ein weiteres Kürzel bereit, um durch’s IT-Dorf getrieben zu werden. Schlussendlich mit der Bitte: Denkt doch mal an das Business, liebe IT. Demand- and Request Management in Vollendung; folgt man der Maturity Skala. Die „Erkundung der Anforderungen“ geht übrigens recht einfach: Ein paar Prozesse mit Rollen, Gremien und Formaten, das konsequent und regelmäßig gemacht – schon weiß jeder CIO was „Das Business“ von der IT braucht. So mache ich das in meinen Rollen als Interim-CIO (IT-Leiter).

    Nochmals zurückkommend auf das BRM-Maturity Model, dürfen wir heute zur Kenntnis nehmen, dass kaum eine IT-Organisation den Level 3 erreicht (und es jemals schafft). Knüpfen wir an den Fragen an und überlegen einmal, welchen tieferen Sinn es geben soll, IT-Organisationen ich Richtung „Service Provider“ oder gar „Strategic Partner“ (Level 5) zu entwickeln?

    Als leidenschaftlicher Informatiker und IT-Manager gibt es nur eine sinnhafte Antwort: Vergesst es!

    Denn: IT-Organisationen werden nur in Ausnahmefällen auf Augenhöhe mit „Dem Business“ oder mit Providern sprechen können. Dazu fehlen die entsprechenden Organisationsformen, Profile und Mandate – als der geschäftliche Auftrag.

    Mangels Digitaler Transformation sind IT-Organisationen bis heute nur bedingt fit, sich tatsächlich als „Trusted Advisor“ (Level 4) zu positionieren. Es fehlt an den o.g. Kompetenzen, also an Know-how, Erfahrungen und Motivation.

    Das Modell der Zukunft kann nur (externes) Service Brokerage sein – ein Dienstleistungsangebot, welches von außen und im Mandat von Auftraggebern (Unternehmen) mit Fachbereichen über „Business Requirements“ spricht, mit Anbietern über Leistungszuschnitte, SLAs usw. verhandelt und dem Auftraggeber verbindliche Service-Qualität garantiert.

    Sofern operative interne IT-Einheiten übrigbleiben, werden diese als Service Supplier (Lieferanten) in das Portfolio der Leistungserbringer einsortiert und gut is.

    Es bleibt also die Frage, warum in eine ungewisse Entwicklung von IT-Abteilungen zu investieren, wenn es für Unternehmen eine Chance gibt, das „Dickschiff“ IT-Organisation loszuwerden. Gerade zu Beginn des neuen Jahres sollten wir in der IT-Branche uns eine Vision gibt, die nicht nur auf Veränderungen, sondern auf Verbesserungen zielt.

    Nur so meine Meinung für 2019.

  • Martin Andenmatten

    7. Januar 2019 at 17:21

    Hallo Peter,
    auch Dir ein erfolgreiches und glückliches Neues Jahr 2019!
    Du hast ja schon recht mit Deinen Bedenken, was all die vielen Frameworks wohl nützen. Nun – ich will eben auch den Fokus etwas weg von Methoden und Frameworks hin zu mehr Business Relationship. Wer letztlich den Service erbringt, ist grundsätzlich nicht wirklich wichtig – solange er den Kundennutzen bringt.
    Aber mit dem Loswerden der internen IT-Organisation ist es wie beim Zauberlehrling von Göthe: Die ich rief, die Geister, Werd‘ ich nun nicht los. Das BRM-Maturity Modell ist aber grundsätzlich unabhängig davon, ob der Service Provider intern oder extern ist. Ich kenne auch einige externe Provider, welche nicht über den Level „Order Taker“ hinweg kommen …

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