2020 – eine neue Zeitrechnung für IT-Organisationen beginnt!

Nun sind sie gestartet, die Zwanzigerjahre und die Zukunft ist immer noch genauso ungewiss, wie sie dies schon immer war. Gerade bei einem Jahreswechsel nimmt man sich immer gerne die Mühe, etwas in die Kristallkugel zu schauen. Und wenn eine neue Dekade beginnt, schaut man nicht bloss auf ein Jahr vor oder zurück – man schaut eine gerne eine ganze Epoche an. Die 10ner Jahre sind vorbei und was haben sie uns gebracht? Was bringen uns die nächsten 10 Jahre?

Ich glaube stark an die magische Wirkung eines neuen Jahrzehnts. Die letzten 10 Jahre haben viele neue Technologien wie Cloud Computing, Blockchain, Artificial Intelligence und IoT hervorgebracht aber auch viele neue Arbeitsmethoden, welche das effiziente und effektive Zusammenarbeiten im Service-Ökosystem fördern können. Die Grundlagen für die vollständige Digitalisierung sind nun vorhanden und zum Mainstream geworden. Es kann wohl mit gutem Grunde davon ausgegangen werden, dass im nächsten Jahrzehnt nun die Durchdringung dieser neuen Technologien in allen unseren Lebensbereichen und damit ein vollständiges Ablösen der «alten» Technologiewelt ansteht. Nicht eine einzelne dieser neuen Technik ist dabei massgebend, sondern der Verbund und die Verfeinerung dieser Technologien zu einem neuen Ökosystem wird wohl prägend für Unternehmen und Gesellschaft werden. Mit allen ethischen und sozialen Konsequenzen, welche so eine Veränderung mit sich zieht.

Nicht nur die gewinnbringende Nutzung, sondern vor allem auch die sichere Beherrschung und Steuerung dieser neuen Technologien wird zur Hauptherausforderung von Unternehmen und IT-Organisationen werden. Wer als CIO in den letzten Jahren noch keine Strategien für diese anstehenden Transformationen erarbeitet hat, wird gegenüber dem Wettbewerb arg im Rückstand liegen und hat dem Unternehmen, der IT-Organisation und wohl auch sich selbst keinen Gefallen getan. Am Traditionellen festhalten zu wollen hat insbesondere im Technologie-Bereich weniger mit Standhaftigkeit denn mit Verweigerung des Fortschritts zu tun. Nur wenn man meint, damit den neuen Risiken entgehen zu können, bleiben bestehende Infrastrukturen nicht einfach sicherer. Viel eher muss man bedenken, dass man für Cyberkriminelle damit erst recht zur einfachen Zielscheibe wird. Dieser Verantwortung kann man sich nicht entziehen.

Wie gross die eigene Fertigungstiefe in IT-Organisationen auch immer noch ist, müssen sich CIOs grundsätzliche Gedanken über ihr künftiges IT-Betriebsmodell machen und wie sie damit einen echten Mehrwert für das Business bieten können. Das traditionelle «Plan-Build-Run»-Modell genügt nicht mehr und hat in der Vergangenheit ein viel zu starkes Silo-Denken und -Handeln hervorgebracht. Ein auf Mehrwert, Schnelligkeit, Sicherheit und Qualität ausgerichtetes Target-Operating Model, TOM zwingt zu einer besser abgestimmten und reibungslosen Wertschöpfungskette innerhalb der IT-Organisation. Wenn man sich die Mühe macht und den Wertefluss der verschiedenen Use-Cases einer IT-Organisation von der Initiierung bis zur Auslieferung entlang der Organisationsstrukturen, der Prozesse, der eingesetzten Tools und der involvierten Personen und Entscheidungsträger aufzeichnet und sich so konkret vor Augen führt, wird schnell erkennen, dass die Digitalisierung in der IT-Organisation selbst noch sehr weit entfernt ist. Wie soll man so das Business beraten können, wenn man noch nicht einmal den eigenen Stall auf die Zukunft ausgerichtet hat.

So ein auf die digitale Zukunft ausgerichtetes IT-Betriebsmodell muss in meinen Augen insbesondere folgende drei Fokusbereiche integrieren müssen:

  1. Hybrid Multi Cloud Management
  2. Agile Service Management und DevOps
  3. Business Relationship Management

Hybrid Multi Cloud Management

Das Potenzial durch den Einsatz von Cloud Computing ist mittlerweile überall anerkannt und bildet die Basis für den Einsatz der aufstrebenden Technologien wie Artificial Intelligence, Big Data, Blockchain und IoT. Ohne die Nutzung von Cloud Computing werden Unternehmen nicht von den neuen Entwicklungen profitieren können.

Um die Vielfalt der Cloud-Dienste und die Abhängigkeit von einer einzelnen Cloud Plattform vermeiden zu können, wird eine Hybrid Multi-Cloud Strategie die optimalste Lösung zu sein, um schneller neue Anwendungen bereitstellen zu können und die digitale Transformation im Unternehmen voranzubringen. Dabei werden die Nutzung neuer Verschlüsselungslösungen und Schutzmethoden helfen, die Cybersecurity-Gefahren abzuwehren.

Die Beherrschung der Hybrid Multi Cloud Umgebung bedingt neue Prozesse, Management-Tools und vor allem auch Skills bei den Mitarbeitern, um die Nutzenpotentiale effektiv ausschöpfen zu können. Der Einsatz der Cloud-Technologie wird dabei nicht bloss einen betrieblichen Infrastruktur-Charakter haben, sondern von der Portfolio-Definition, der Lösungsentwicklung, Bereitstellung und Support der Services eine zentrale Ressource bilden.

Cloud Computing ist die Grundlage des IT-Delivery Modells

Agile Service Management und DevOps

IT Service Management hat viel dazu beigetragen die Kunden- und Service-Orientierung in IT-Organisationen zu entwickeln und zu etablieren. Die stark nach Prozessen ausgerichtete Governance dieser Organisationen hat aber andererseits zu einem fragmentierten und teilweise auch konkurrenzierenden Arbeitsfluss geführt, welcher oft nicht wirklich gut aufeinander abgestimmt war. Dies hat nicht selten dazu geführt, dass die an den verschiedenen Prozessen beteiligter Mitarbeiter unterschiedliche Ziele verfolgten und damit unterschiedliche Vorstellungen vom Nutzen für das Business hatten.  

Agilität und ein nach gleichen Prinzipien und Werten orientierten Team-Ansatzes bilden nun die Basis für Service Innovation und Design, Service Delivery und Service Support, den drei wesentlichen Wertströmen, respektive Value Streams von IT-Organisationen. Mit DevOps wurde bereits eine der kritischen Mauern zwischen Entwicklung und Betrieb von IT Lösungen eingerissen. Dieser Ansatz der Zusammenarbeitskultur wird nun wesentlich das IT-Betriebsmodell der digitalen Zukunft prägen.

Value Streams integrieren People, Processes, Products und Partnerns

Business Relationship Management

Das Verhältnis zwischen Business und IT-Organisation war von jeher schon kompliziert und trotz aller Frameworks nie wirklich für alle Seiten zufriedenstellend gelöst worden. Viel zu unterschiedlich waren das gegenseitige Verständnis für Anforderungen und dafür notwendige Ressourcen. Immer stärker wurde auch propagiert, dass es in Zukunft keine eigentlichen IT-Organisationen mehr braucht, da die Zukunft der Service-Bereitstellung in der Cloud Technologie zu sehen ist.

Ob nun verstärktes Alignment oder gar eine Business-IT Konvergenz angestrebt werden soll, die Herausforderung bleibt: welche Technologien und Services helfen dem Business, deren Ziele und Mehrwert am besten zu erreichen. Das Business braucht einen strategischen Technologie-Partner, dem er vertraut und der ihm hilft, zwischen den verschiedenen Potenzialen zu navigieren und die vorhandenen Lösungen und Fähigkeiten optimal zu nutzen. IT-Organisationen müssen sich gut überlegen, ob sie diese Rolle des strategischen Business-Partners wahrnehmen wollen und können und dabei die Integration der Lösungen der verschieden involvierten Service Provider zu einem ganzheitlichen Service verantworten wollen. Der Fokus muss dabei auf die Beziehung zum Business gelegt und das notwendige Vertrauen erarbeitet und verdient werden.

Aktive gelebte Beziehungen zum Business bilden das Fundament für strategische Technologie-Partnerschaft

Fazit

Ob nun die Zwanzigerjahre am 1.1.2020 oder doch erst am 1.1.2021 beginnen, wird aktuell gern diskutiert und je nach Sicht auf den gregorianischen Kalender unterschiedlich verstanden. Die neue Jahreszahl markiert jedoch bei den meisten Menschen einen neuen Beginn und so wohl auch für viele Unternehmen. Die neuen Technologien sollen nun endlich genutzt werden können. Das Business braucht einen strategischen Technologie-Partner, welcher sein Betriebsmodell auf die digitale Zukunft ausrichtet und robust gegenüber Cyberattacken gerüstet ist. Auf Methoden und Technologien braucht man nicht mehr zu warten. Ab 2020 gilt es diese nachhaltig umzusetzen und alte Zöpfe endlich abzuschneiden

2 thoughts on “2020 – eine neue Zeitrechnung für IT-Organisationen beginnt!”

  1. Peter Bergmann

    Hallo Martin,

    danke dir für deinen interessanten Beitrag. Du hast schon recht, wenn du schreibst, dass die technologischen Grundlagen für die Durchdringung von digitalen Prozessen und Abläufen im Geschäft, aber auch privat, vorhanden sind.

    Aber reicht das?

    Wir Berater verwenden gerne Modelle in Form von Frameworks, würzen diese mit Buzzwords und gehen davon aus, dass sich die Angesprochenen schon daran orientieren werden.
    Du schreibst es hervorragend, dass das Verhältnis zwischen dem “Business” und IT-Organisationen nie bis selten richtig organisiert war.

    Stimmt, aber warum war bzw. ist das so?

    Das Verlagern von Aufgaben (Gewerken) zu externen Anbietern hin ist einerseits zeitgemäß, entlastet es doch die hauseigene IT von Routineaufgaben – von der Commodity-IT wie wir seit 2003 sagen. Andererseits fehlt es an der Fähigkeit, die vielen Dienstleister zu “managen”. Wir beobachten eher die Umkehrung des Kunden-Lieferanten-Prinzips. Anscheinend müssen wir in der IT immer Extrawege einschlagen, um zu lernen. Schon den Sinn von Prozessen hat unsere Branche lange hinterfragt bis abgelehnt.

    Was sind denn die IT-Betriebsmodelle der Zukunft?

    Neben dem klassischen Betrieb für hoheitliche und Sicherheitsaufgaben geht es vor allem künftig um Multi Service Providing; in einer ausgeprägten Stufe um Service Brokerage. Gefragt sind Fähigkeiten eines Einkäufers, eines Juristen, um mit Dienstleistern über Leistungsangebote und die dazugehörigen Verträge zu verhandeln. Gefragt sind aber auch Kenntnisse und Erfahrungen zu der/den Branche(n), die im Unternehmen Geschäftsfelder sind. Und zu den Prozessen, die das Geschäftsleben ausmachen. Business Analysten mit generalistischem IT-Background eben.

    Leider fehlt es allerorten an diesem Personal. Und an der Vision, einen effizienten Steuerungslayer aufzubauen, der den geldverdienenden Fachbereichen im Unternehmen die bestmöglichen IT-Services ermöglicht/anbietet.

    Folglich haben wir kein technologisches, kein Erkenntnisproblem. Wir kämpfen -und das schon seit Jahren- an der wirksamen Umsetzung, mit Lösungen, die aus Gründen von Rücksichtnahme und Orientierungslosigkeit nur halbherzig umgesetzt werden und somit nicht zu schlagkräftigen IT-Organisationen führen.

    Schatten-IT (es gibt Berater, die finden das toll) und weitere Fehlentwicklungen wird es somit weiterhin geben; solange, bis sich das Business auf die eigene IT verlassen, ja vertrauen, kann. Bis dahin ist es jedoch noch ein langer und ausgesprochen steiniger Weg. Denn das Umfeld (Technologien, Frameworks, Modell) sind zuhauf da – es mangelt eben nur am Verständnis und an der konsequenten Umsetzung.

    Warum sollte das in den 20-er Jahren anders, besser werden (wenngleich ich dafür arbeite und es auch erwarte)?

    Viele gute Einfälle und Umsetzungen in der neuen Dekade wünscht
    Peter Bergmann

    1. Martin Andenmatten

      Danke Peter für Deine Ergänzungen. Sehe ich grundsätzlich genauso. Frameworks und Methoden und Tools haben wir heute genug – da brauchen wir nicht auf das Ei des Kolumbus zu warten. Das Leben dieser Prinzipien wäre nun angebracht, damit man die Früchte einer gut organisierten IT (intern oder extern) endlich ernten kann. Das Arbeiten mit Menschen sowohl auf der Business-Seite wie auch auf der Lieferanten-Seite ist die Herausforderung, welche viele IT-Spezialisten sich nicht gewöhnt sind und weshalb man hier oft scheitert. Und hier liegt meine Hoffnung, dass sich für diese Aufgaben neue Leute ohne Vorbelastung begeistern lassen. Mit gesundem Menschenverstand wäre es immer ein leichteres. Vielleicht fällt uns doch noch etwas ein in den nächsten 10 Jahren. Gruss aus Zürich.

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