BPM PaaS – Wolkige Aussichten für Business Process Management

Sie haben noch nichts von BPM PaaS gehört? Das werden Sie aber wohl über kurz oder lang kaum verhindern können – denn Business Process Management goes Cloud Service! Einer Gartner-Studie zufolge werden bis 2016 ca. 20% der “Schatten-Businessprozesse” über Process Engines und Workflows in der Cloud abgewickelt. Excel-Dateibearbeitung, Mail- und Telefonrouting und kleinere Supportprozesse sind prädestinierte Piloten für den ersten Flug in die Wolke – und die Lösungsanbieter überschlagen sich bereits mit taylored solutions für standardisierte Klein-Workflows ohne grosse Ergebnisrelevanz. Wie sieht aber nun die Entwicklung für die Core-Services und Kernprozesse in der Cloud aus?

Der neue virtuelle Service hat bereits einen Namen: BPM Platform as a Service – eben BPM PaaS. Was kommt da auf uns zu…und wie werden künftig Business Prozesse durch Cloud-Technologien unterstützt? Man wagt es noch nicht wirklich, sich mit konkreten Aussagen ans Fenster zu wagen. Zu viele Fragen sind noch offen, wenn es um die tatsächliche Portierung von Business Process Management-Bestandteilen in PaaS-Lösungen geht. Die Antworten auf die neuen Anforderungen von BPM PaaS sind im Vorfeld aller Aktivitäten noch offen…gleichwohl verharren die Hoster in den Startblöcken und schielen mit bereits zitternden Beinen auf die Startpistole – aber der Schuss fällt nicht. Noch nicht.

Cloud

Der erlösende Startschuss könnte im Herbst fallen, wenn Ende August in Beijing der erste internationale Workshop für BPM in der Cloud zu Ende geht. Neben den bereits bekannten Vorteilen einer SaaS-Lösung soll BPM in der Cloud als eigener Service unter anderem folgende Vorteile bieten:

  • Elastizität: Peaks im aktuellen Load der Process Engine Activities werden durch skalierbare Backends dynamisch abgefangen. Capacity Management wird zum Provider verlagert, die Abrechnung erfolgt nach demand.
  • Messbarkeit: Als Applikationsservices in der Cloud können Business Prozesse detailliert gemessen und reportet werden. Process Monitoring oder Quality Cockpits können über den Cloud Service zusätzlich bezogen werden – ohne internen Aufwand.
  • Flexibilität: Der neue BPM PaaS Service beinhaltet nicht nur SaaS-Komponenten, sondern umfasst auch die gesamte benötigte Infrastruktur und notwendige Schnittstellen über das Process Framework hinaus.

Die Kernfragen, auf die man in dem international hochkarätig besetzten Workshop Entscheidungen und Antworten finden will, lassen sich recht deutlich formulieren….und diese Antworten werden (hoffentlich) die Grundlage für den ersehnten Startschuss in die nächste Dimension des BPM auslösen. Folgende Kernfragen werden unter anderem erörtert:

  • compliance in cloud-based BPM
  • security, privacy, and trust in cloud-based BPM
  • socio-technical aspects of cloud computing for BPM
  • methods, tools, techniques to design cloud aspects of BPM systems
  • cloud support for BPM design
  • description languages for cloud-based processes
  • automated service and virtual resource selection and allocation
  • load balancing of BPM engines/ processes/ process instances/ process tasks
  • scaling of BPM engines/ processes/ process instances/ process tasks
  • monitoring of processes and process steps running in the cloud
  • security enforcement in cloud-based BPM
  • best practices, success factors and empirical studies on cloud-based BPM
  • new delivery models for BPM, application scenarios
  • reports on use cases within companies and government
  • requirements definition issues for use cases

Es sieht also ingesamt ganz danach aus, als würde hier ein neuer Best Practice Leitfaden entstehen, der den beiden Welten BPM und Cloud Services/SOA ein gemeinsames Fundament bietet – für sehr spannende, zukunftsorientierte Business-Prozess-Ansätze. Ob die neue BPM PaaS-Bibel aber gleich verfügbar ist, wage ich noch vorsichtig zu bezweifeln. Unstrittig erscheint aber, DASS wir darauf hoffen dürfen – und der Startschuss für Cloud-based Business Process Governance auch tatsächlich fällt.

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in ITIL von Horst Rossdeutsch. Permanenter Link des Eintrags.

Über Horst Rossdeutsch

Horst Rossdeutsch ist seit 30 Jahren beruflich in verschiedenen IT- und Business-Disziplinen unterwegs – davon 12 Jahre mit direktem Bezug auf ITIL®. Nach Schulabschluss und Banklehre machte er schnell sein Hobby zum Beruf und wechselte in die Bank-IT, wo er als Programmierer und Host-Operator erste Erfahrungen sammelte. Schnell kamen mit der technischen Entwicklung Anfang der 90er Jahre Client-Server und Unix-Einführungsprojekte sowie Dozententätigkeiten hinzu. Zunächst als Transition Manager, später als Direktor sammelte er bei IBM Global Services bis 2001 wichtige Erfahrungen in etablierten Service Management Frameworks und internationalen Grossprojekten. Dem folgten fünf Jahre als IT Service Manager bei einem der grössten Automobil-Zulieferer der Welt. Seit 2006 lebt er in der Schweiz, wo er bei Swisscom Fixnet AG als Senior Service Manager ITIL-Prozesse einführte. Von 2008 bis 2012 war er Head of Business Engineering und IT Service Management in einem Züricher Bankhaus, wo er u.a. ein Einführungsprojekt mit Pilot-Charakter für workflow-unterstützte Businessprozesse und paperless Office leitete. Horst Rossdeutsch ist zertifizierter BPMN 2.0 Professional, Microsoft Certified Professional, zertifizierter ITIL V3 Expert und TÜV-zertifizierter QM-Beauftragter nach ISO9001. Seit Juli 2012 verstärkt Horst Rossdeutsch das Team der Glenfis AG und ist für den Ausbau und die Neuausrichtung der Glenfis Academy verantwortlich.

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